»Chinas „Seidenstraße“« | Haifa zwischen chinesischen und US-Interessen

In Israel sorgt eine Übernahme für internationale Verwicklungen. Die Shanghai International Port Group (SIPG) wird im Jahr 2021 die Betriebsrechte an einem Containerterminal für 25 Jahre erhalten, der gerade im Hafen von Haifa neu errichtet wird.

In Prinzip ein Vorgang, den wir bereits von zahlreichen Häfen in Asien, Afrika, Europa (Athen) und selbst aus den USA (Seattle) kennen: China baut einen neuen Hafen oder ein Terminal oder übernimmt dessen Verwaltung.

In Haifa wird dieser Vorgang allerdings zu einer delikaten geostrategischen Frage. Haifa, der größte israelische Hafen beherbergt Kaianlagen für Passagierschiffe, Stückgut- und Containerschiffe. Haifa ist aber ebenso der Haupthafen der israelischen Marine mit dem Sitz seiner Flotille an atomar bestückten U-Booten und Liegeplatz der 6. US-Flotte während ihrer Hafenbesuche.

Und gerade hier spießen sich die Interessen bzw. geriet Israel nun „zwischen die Fronten“. Die USA will die Abmachung aus dem Jahr 2015 gekippt wissen, fürchtet sie chinesische Spionage oder Einflußnahme auf die Seeleute, sobald Peking den Nachbarkai kontrolliert. So führt Newsweek einen pensionierten US-General an, der es für möglich hält, dass die SIPG-Hafenbetreiber die US-Schiffsbewegungen genau überwachen, Zugang zu US-Ausrüstung gewinnen und insbesondere die integrierten Informationssysteme der Häfen nützen könnten, um die „US-amerikanische Informations- und Cybersicherheit“ zu gefährden.

Wenngleich Hafenbesuche auch weiterhin durchgeführt werden dürften, so würde die US-Marine wohl keine längeren Wartungsarbeiten mehr in Haifa durchführen wollen.

Israel wiederum will weder seinen mächtigsten Verbündeten, die USA, vergraulen, noch mit einem seiner wichtigsten Handelspartner, China, brechen. Allerdings berichtet die Times of Israel, dass sich ein solcher Bruch mit China bereits in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts vollzogen hatte, als Israel die „Falcon-Technologie“ für Frühwarnflugzeuge und Drohen an China verkaufen wollte. Der „Deal“ wurde auf Druck Washingtons rückgängig gemacht. Israel musste Schadenersatz zahlen und die militärischen Beziehungen mit China wurden bis auf den heutigen Tag nicht mehr wieder etabliert.

Siehe u.a.