Griechenland und Ägypten einigen sich in einem Abschnitt auf eine gemeinsame Seegrenze (AWZ)

Tebel-Report. – Am Donnerstag gab der ägyptische Außenminister Sameh Shoukry in Gegenwart seines Amtskollegen Nikos Dendias die Unterzeichnung eines Abkommens über die Abgrenzung ihrer Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ oder EEZ) bekannt.

Während der griechische Außenminister laut Arab News darauf hinwies, dass „das Abkommen mit Ägypten im Rahmen des Völkerrechts steht, alle Konzepte des internationalen Rechts und des Seerechts sowie gutnachbarliche Beziehungen respektiert“ und hiermit einen Seitenhieb gegen die Türkei setzte, zitierte Xinhuanet seinen ägyptischen Amtskollegen sinnemäß, dass die Übereinkunft Horizonte für eine weitere Energiezusammenarbeit der beiden Staaten eröffnen würde.

Von der Vereinbarung existiert anscheinend noch keine offizielle Karte. Allerdings veröffentlichte Ekathimerini.com eine solche, die auf Aussagen von Diplomaten basieren soll. Daraus wird ersichtlich, dass Griechenland und Ägypten nur den Abschnitt der gemeinsamen Seegrenze zwischen dem 26. und 28. Längengrad definieren. In diesem Bereich durchtrennt die Seegrenze den Korridor, den die Türkei und Libyen füreinander im vergangenen Jahr bestimmten.

Daher bezeichnete der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu das Abkommen am Donnerstag als „null und nichtig“. Am Freitag wählte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die selben Worte.

Kritik kommt aber ebenso vom ehemaligen Außenministers Nikos Kotzias auf Facebook. Er sieht ein Abweichen vom “Mittelstreckenprinzip”, weshalb Ägypten 55 Prozent und Griechenland 45 Prozent von der Meeresfläche erhalten würde. Das angewendete Prinzip der Basispunkte würde auch eher der türkischen Verhandlungsposition entsprechen und hierdurch den griechischen Standpunkt nachhaltig schwächen. Zudem seien kritische Seegebiete nicht behandelt.

Die Folgen der Übereinkunft werden dieser Tage sichtbar: Das türkische Forschungsschiff „ORUÇ REİS“ wird die Erdgaserkundungen südlich der griechischen Inseln Karpathos, Rhodos und Kastellorizo wieder aufnehmen, wie Greek City Times heute berichtet. Für den 24. August geplante griechisch-türkische Sondierungsgespräche über die gemeinsame Seegrenze sind anscheinend abgesagt.

Zudem finden seit Montag türkische Schießübungen zwischen den Inseln Rhodos und Kastellorizo statt, die am 6. August angekündigt worden waren. Die griechischen Streitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft sind in höchste Alarmbereitschaft versetzt, berichtet Greek City Times.

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