»Islamische Welt im Umbruch« | Libanon : Die Macht der Hisbollah

Der Libanon ist ein kompliziertes Land, das seit Jahrzehnten innere Stabilität sucht.

Um eine innere Stabilität zu gewährleisten, existiert im Libanon ein religiöser Proporz in der Politik. Wenngleich vermutet wird, dass 95 Prozent der etwa 6,5 Millionen Libanesen Araber sind, wird der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung auf etwa 40 Prozent geschätzt.

Noch in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts bildeten die Christen die Mehrheit im Libanon. Sunniten und Schiiten dürften diese aber in den letzten Jahrzehnten gekippt haben. Diese Verschiebung zuungunsten der Christen entstand durch Einwanderung von Palästinensern und eine geringere Geburtenrate der Christen.

Religiöser Proporz

Die Gewichte der Religionen bildet sich im Libanon auch in der Aufteilung wichtiger Ämter ab: So muss das Staatsoberhaupt ein maronitischer Christ sein, der Oberbefehlshaber der Armee ein Christ, der Regierungschef ein sunnitischer und der Parlamentspräsident ein schiitischer Moslem. Auch das Parlament unterliegt der konfessionellen Parität, wodurch auf die unterschiedlichen christlichen Richtungen knapp 50 Prozent der Abgeordnetensitze entfallen, wenngleich dies nicht mehr den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen dürfte.

Die Macht der Hisbollah

Eine weitere Besonderheit und Schwierigkeit des Libanon besteht auch darin, dass sie eine Terrororganisation mit einem politischen und einem militärischen Arm beherbergt, der kampfkräftiger sein soll als die libanesische Armee: die 1982 gegründete Hisbollah.

Die schiitische Hisbollah orientiert sich politisch am Iran und wird süffisant als Franchise der iranischen Revolutionsgarden bezeichnet. Dank ihrer Stärke ist unter Experten auch eine Diskussion entstanden, ob der Libanon noch eine souveräne Staatsstruktur besässe oder eigentlich als Hisbollah-Staat zu bezeichnen wäre.

In einer lesenswerten Analyse kommt Jonathan Spyer im JISS, dem Jerusalem Institute for Strategy and Security zum Ergebnis, dass die Hisbollah zwar nicht die staatlichen Organe kontrolliert, aber durch die Besetzung von Schlüsselfunktionen die Entscheidungsfindung dominiert. Jonathan Spyer belegt dies durch eine eingehende Betrachtung: Als ein Kernbeleg dient ihm das letzte Wahlergebnis, wochdurch die Hisbollah als Partei und als Teil eines Parteienbündnisses etwa 45 Parlamentssitze kontrollieren und somit auf politische Entscheidungen Einfluß nehmen kann. Zudem berichtet Spyer davon, dass die Libanesische Armee mit der Hisbollah bestens zusammenarbeitet und bereits die libanesischen Geheimdienste unterwandern konnte. Zudem ist die Hisbollah im NGO-Bereich und mit der Wirtschaft verflochten, so Spyer.

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