»Krise am Golf« – KOMPAKT | Was die Straße von Hormus so bedeutsam macht

Die aktuelle Krise zwischen den USA, Großbritannien und dem Iran lässt sich momentan an einer Meerenge festmachen: An der Straße von Hormus.

Die Meerenge zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel verbindet die arabischen Ölstaaten Kuwait, Saudi Arabien, Bahrain, Irak, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) auf dem Seeweg mit Asien und Europa. So passieren etwa 90 Prozent der Ölexporte vom Golf die Straße von Hormus, die wiederum 20 – 30 Prozent des weltweit auf dem Meer transportierten Rohöls entsprechen. Damit können wir uns die Straße von Hormus wie eine Bundesstraße mit zwei Fahrbahnen vorstellen, auf der ständig dichter Verkehr herrscht.

Die Küsten der 55 Kilometer breiten Meerenge gehören an der Nordseite zum Iran und dem Oman bzw. den Vereinigten Arabischen Emiraten an der Südseite. Mehrere kleine Inselchen wie Abu Musa uns die Tunb-Inseln sind zwischen dem Iran und der VAE umstritten.

Unterschiedliche Rechtsauffassungen

Wie in anderen Krisenherden der Fall (Südchinesisches Meer, Arktisches Meer, östliches Mittelmeer) wird die geltenden Seerechtsregelungen unterschiedlich ausgelegt: So sieht das UNO-Seerechtsübereinkommen das Recht der freien und unangemeldeten Durchfahrt für Handels- und Kriegsschiffe vor, solange dies zügig erfolgt. Weder die USA, noch der Iran haben dieses Übereinkommen ratifiziert. Der Iran beruft sich daher auf die Genfer Seerechtskonvention, die Kriegsschiffe einer strengeren Regelung unterwirft, u.a. durch das Einholen der Erlaubnis durch den Anliegerstaat. Demgegenüber bringen die USA das Völkergewohnheitsrecht ins Spiel.

Kriegsgefahr?

Seit den letzten Tagen des irakisch-iranischen Krieges kommt es zu Zwischenfällen am Golf, an denen die USA beteiligt sind. Im Jahr 1987 begann die US-Marine US-Tanker und solche seiner Allierten zu beschützen. Zwischenfälle sind aber auch in den letzten Jahren bekindet: Die Crisisgroup nennt für das Jahr 2015 23 Zwischenfälle und für das Folgejahr 35.

Trotz der Gegnerschaft hinsichtlich des iranischen Atomprogrammes, des iranisch-saudischen Konfliktes und vor allem der iranischen Politik der Einkreisung Israels ist die USA mehr daran interessiert, den Iran einzudämmen, als militärisch zu bekämpfen.

Dies liegt daran, dass die USA weniger Bereitschaft besitzen, die Sicherheit in der Region zu gewährleisten, weil die USA den Nahen Osten als Ölbezugsquelle nicht mehr so dringend benötigt wie noch vor 30 Jahren. Zudem: Man mag Donald Trump gegenüberstehen, wie man will. Eines kann ihm wohl keine Seite vorwerfen – dass er bereits als „Kriegspräsident“ hervorgetreten ist.

Daher ist die aktuelle Kriegsgefahr am Golf gering – Luftangriffe auf Nuklearanlagen des Iran bzw. die Versenkung von Minikriegsschiffe des Iran im Golf aber durchaus realistisch. Aber auch der Iran wird tunlichst vermeiden, einen Krieg mit den USA zu provozieren.

Siehe u. a.