PAPUA NEUGUINEA : PEKINGS UMARMUNG ALARMIERT AUSTRALIEN

WIEN, 29. April 2021. Die nachbarschaftlichen Verhältnisse zu Papua Neuguinea sind traditionell freundschaftlich, aber nicht ungetrübt. Zwei chinesische Projekte im nördlichen Nachbarstaat Australiens könnten den Keil zwischen Port Morseby und Canberra noch weiter vertiefen und für Australien zum strategischen Problem werden.

Unter dem Deckmantel der Seidenstraßeninitiative schlossen die Fujian Zhonghong Fishery Company und Papua Neuguinea im November 2020 eine unverbindliche Absichtserklärung zum Bau eines „umfassenden, multifunktionalen Fischerei-Industriepark“ im Wert von etwa 160 Millionen US-Dollar auf der Insel Daru. Die gleichnamige Inselhauptstadt ist der Verwaltungssitz der westlichen Provinz im besonders armen, spärlich besiedelten und unterentwickelten Südwesten des Inselstaates. Der Plan stieß in Australien auf Bedenken, zumal Daru nicht unbedingt für extremen Fischreichtum bekannt ist und sich die knapp 15 km2 große Insel an der Torres-Strasse nur etwa
200 Kilometer vom australischen Festland befindet und sogar nur in 50 Kilometer Entfernung zu Saibai Island, einer zu Australien gehörenden Insel, die direkt Papua Neuguinea vorgelagert ist.

Im Februar 2021 wurde zudem bekannt, dass WYW Holding bereits im April 2020 der Regierung in Papua Neuguinea das Angebot für den Bau von „New Daru City“ unterbreitet hatte. In einem 30 Milliarden US-Dollar Projekt bot die Firma aus Hongkong an, eine künstliche Stadt mit einem Wohngebiet, Industriezone, Geschäfts- und Handelszone und einen Tiefseehafen aus dem Boden zu stampfen.

Die Regierung in Papua Neuguinea will den Vorschlag nicht kennen, wie ein Sprecher des PNG-Premiers James Marape gegenüber einem australischen Fernsehsender erklärte, sei aber prinzipiell nicht gegen ausländische Investitionen. Auch Australiens Premierminister Scott Morrison spielte sofort die Bedeutung des Projektes herunter.

Wie dem auch sei. Natürlich schrillen in Australien die Alarmglocken: Die Errichtung eines „umfassenden, multifunktionalen Fischerei-Industriepark“ oder eines Tiefseehafens nährt die Befürchtungen, dass dereinst chinesische Fischereiflotten den Hafen als Stützpunkt verwenden und im ungünstigsten Fall Schiffe der chinesischen paramilitärischen Küstenwache in australischen Gewässern operieren könnten.

Chinas ausgreifende Macht vor Augen, arbeitet Australien bereits seit 2018 mit der Regierung von Papua Neuguinea Pläne aus, um den nur für Patrouillenboote verwendbaren Marinestützpunkt Lombrum auf der Insel Manus zu sanieren und als gemeinsame Basis zu nützen. Allerdings stoßen die Pläne in Papua Neuguinea regional auf die Sorge, dass die Bewohner von Manus – wie durch das australische Asylzentrum auf der Insel – Nachteile erleiden und Papua Neuguinea in einen Konflikt zwischen den USA, Australien und der VR China gezogen werden könnten.

Allerdings befindet sich Papua Neuguinea bereits inmitten eines geopolitischen Gezerres: Australien unterstützt ebenso die Modernisierung des nahegelegenen Militärflughafens Momote und die Verlängerung seiner Startbahn, um mit größeren Kampfflugzeugen und für Seepatrouillen die Basis zu nutzen. Finanziert werden die Arbeiten maßgeblich von der Asian Developement Bank (ADB), zu deren größten Beitragszahler die USA, Japan und Australien zählen. Die Bauarbeiten führt aber die China Harbour Engineering Company (CHEC) durch, eine Tochtergesellschaft der staatlichen CCCC. Thomas Shugart analysiert im Lowy Institute diese merkwürdige Situation: „Man kann sich kaum vorstellen, dass die NATO und ihre Partnerstaaten in der Zeit des Kalten Krieges den Bau wichtiger Verkehrsinfrastrukturen durch ein sowjetisches Staatsunternehmen zugelassen hätten, und noch weniger, dass sie ein solches Projekt teilweise mit ihren eigenen Steuergeldern finanziert hätten. Aber das ist die Situation, in der wir uns jetzt zu befinden scheinen – eine Situation, die sich wahrscheinlich wiederholen wird.“

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Bildquelle: Bild von Bishnu Sarangi auf Pixabay

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