PERIM UND SOKOTRA : KANN DER JEMEN SEINE TERRITORIALE INTEGRITÄT WAHREN?

WIEN, 7. Juni 2021. Der von der Saudischen Allianz unterstützte jemenitische Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi kann die territoriale Einheit in seinem geschrumpften Machtbereich auch gegen verbündete Mächte kaum mehr durchsetzen. Begebenheiten auf zwei dem Jemen vorgelagerte Inseln deuten vorsichtig darauf hin.

Zu den größten Attraktionen der Arabischen Halbinsel zählen die Lehmhochhäuser des Jemens, die schon seit Jahrhunderten die Stadtsilhouette von Sanaa, Schibam und Bergdörfer wie Al-Hajjarah prägen. Doch verheißt der Kulturschatz seinen Bewohnern keine reichen Einkünfte aus dem Tourismus. Der Jemen befindet sich seit 7 Jahren in einem Bürgerkrieg, in welchen auch ausländische Mächte maßgeblich einwirken.

Jemens geopolitische Lage und Bürgerkrieg

Das südliche Arabien gewann im 19. Jahrhundert mit der Eröffnung des Suez-Kanal an geographischer Bedeutung. Der Seeweg zwischen Europa und Asien musste nun nicht mehr um das Kap der Guten Hoffnung verlaufen, sondern konnte rascher und sicherer durch das Rote Meer geführt werden. Auch heute noch zählt die Route durch den Suez-Kanal zu den wichtigsten globalen maritimen Handelswegen, dem sich 2020 etwa 18 800 Schiffe bedienten.

Am südlichen Eingang des Roten Meeres bildet die etwa 26 Kilometer breite Bab el Mandeb-Straße ein Nadelöhr, durch das zwei Fahrtrinnen führen. Die Hauptrinne und eine 7 Kilometer schmale Durchfahrt zwischen der Perim oder Mayun-Insel und der Arabischen Halbinsel. Die geografischen Gegebenheiten machen deutlich, dass an dieser Stelle der Schiffsverkehr besonders einfach überwacht und gestört werden kann.

Nicht umsonst trug sich in dieser Region ein internationaler Wettlauf zur Errichtung von Militärstützpunkten zu, maßgeblich eingebettet in das geopolitische Aufstreben Chinas und der Türkei, im außenpolitischen Konzept der Vereinigten Arabische Emirate (VAE), aber auch der Ausbreitung von Piraterie und islamistischer Kräfte am Horn von Afrika geschuldet.

Seit 2014 befindet sich der Jemen zudem in einen verlustreichen Bürger- bzw. Stellvertreterkrieg verstrickt. Im mehrheitlich von Schiiten bewohnten Westen des Landes, der etwa mit dem früheren Staatsgebiet des Nordjemens übereinstimmt, kämpfen Schiiten gegen den Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Hadi stützt seine Macht auf die weniger dicht besiedelte Mitte und den Osten des Jemens mit seiner sunnitischen Bevölkerung, in dem sich auch der jemenitische Ableger der Al-Qaida (AQAP) eine Machtbasis aufgebaut hat. In der Region um Aden kämpft mit dem Southern Transitional Councis (STS) eine weitere Fraktion um die Unabhängigkeit.

Bauarbeiten an einem Flughafen für Kampfhubschrauber

Hadi, von den Houthis bedrängt und aus der Hauptstadt vertrieben, suchte 2015 die Unterstützung einer Allianz unter Saudi-Arabiens Führung, die seine militärische Niederlage vereitelte und seit Jahren einen gewissen Status quo erhält.

Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass seine Unterstützer scheinbar die Hilflosigkeit der anerkannten jemenitischen Regierung ausnutzen, die es anscheinend immer weniger schafft, selbst im eigenen Einflussbereich eine territoriale Integrität zu wahren.

Hierfür sprechen mehrere Indizien: Im März 2021 wurden Satellitenaufnahmen der US-Firma Planet Labs bekannt, die Instandsetzung und Ausbauarbeiten einer 1,8 Kilometer langen Landebahn auf der Perim-Insel (auch Mayun-Insel) zeigen. Zunächst bestand völlige Unklarheit darüber, wer den Bauauftrag durchführte. Der Verdacht fiel zwar sofort auf die Vereinigten Arabischen Emirate, die bereits 2016 eine 3 Kilometer lange Landebahn für Bomber und Kampfflugzeuge auf der Insel bauen wollten, die Arbeiten aber im Folgejahr einstellten. Ende Mai gab die Saudi-geführte Koalition in einer Mitteilung aber zu, dass sie hinter dem Bau der Landebahn stünden. Dies steht allerdings klar im Gegensatz zur Aussage des jemenitischen Außenministers Ahmed bin Mubarak, der von der Anadolu Agency zitiert wird, dass es „absolut keine Vereinbarung mit irgendjemanden über die Einrichtung einer Militärbasis auf jemenitischen Boden“ gäbe.

Rätselraten in Sokotra

Der Vorgang erinnert an eine Begebenheit, die Ende August 2020 in die Medien gelangte. Damals enthüllten das jüdisch-französische JP Forum und Israelhayom israelisch-emiratische Aktivitäten auf der Insel Sokotra, einen 340 Kilometer südlich des Jemens und 100 Kilometer vor dem Horn von Afrika gelegen territorialen Vorposten des Jemens. Zwar liegt keine Bestätigung für die Planung einer Spionagebasis vor, von der aus der Seeverkehr im Indischen Ozean bequem beobachtet werden kann, doch warnte der Stammeschef Issa Salem bin Yaqut hinsichtlich der Situation in Sokotra im September 2020 vor dem Untergraben der souveränen Rechte des Jemens.

Gründe für die Errichtung von Basen

Mit ihren Bauvorhaben sichern die Verbündeten der USA, die saudische Allianz, vermutlich auch die Vereinigten Emirate und Israel die Inseln nicht alleine für ihre eigenen Ziele, sondern kommen zudem Staaten wie Russland zuvor, die ebenso ihre Machtposition im Indischen Ozean zu stärken suchen.

Für den Jemen birgt die Situation eine große Gefahr. Gelingt es nicht, den territorialen Anspruch nach außen Aufrecht zu halten und Nutzungsvereinbarungen mit den Verbündeten eingehen, könnte mancher der beteiligten Staaten auf Zeit spielen und den Status-quo mit einer ohnmächtigen jemenitischen Regierung andauern lassen.

Bildquelle: Image by jones814 from Pixabay