Ukraine Update: Russian Units Have Their Back to The Wall

Siehe: Ukraine Update: Russian Units Have Their Back to The Wall (Albawaba, Jordanien)

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Die russische Armee vor dem nächsten Rückschlag – DEM GEBIET UM KHERSON DROHT DER ZUSAMMENBRUCH

Anfang März war es der russische Hoffnungsschimmer in einem von Anfang an verkorksten Angriff: die kampflose Einnahme von Kherson, der Hauptstadt des gleichnamigen ukrainischen Oblasts. In kurzer Zeit gelang es der russischen Armee, den gesamten Oblast mit Ausnahme der entlegenen Gebiete nördlich des Dnjepr einzunehmen, während der Angriff auf Mykolaiv und Kryvyi Rih scheiterte.
Trotz zahlreicher lokaler ukrainischer Gegenangriffe, des Beschusses des Flughafens von Cherson und der Tatsache, dass die ukrainische Armee im Juli einen wertvollen Brückenkopf bei Andriivka und Lozove am Südufer des Inhulets einnehmen konnte, blieb die Front bis Ende Juni stabil.

Dieses Gleichgewicht änderte sich dramatisch, insbesondere mit der Lieferung der M142 HIMARS, dem ersten von inzwischen insgesamt drei Mehrfachraketenwerfersystemen. Mit deren Einsatz verfügt die Ukraine seither in der gelieferten Version über eine Waffe mit einer relativ großen Reichweite von etwa 80 Kilometern und einer beeindruckenden Präzession, die durch eine geschickte Strategie nicht von russischen Luftabwehrsystemen wie der S-300 und S-400 abgefangen werden kann. Die unangenehme Folge für die russischen Streitkräfte besteht darin, dass ihre Truppenkonzentrationen, Munitionsdepots, Lager für Treib- und Schmierstoffe, Nachschublinien, Kasernen, Kommandostände, Gefechtsstände, Stützpunkte und Festungen im Teil der Oblast Kherson nördlich des Dnjepr von der ukrainischen Armee nach Belieben beschossen werden können. Die russische Armee ist jedoch nicht in der Lage, sich in diesem Frontabschnitt ins Hinterland zu bewegen, um dem Wirkungsradius der Raketen zu entgehen.

Diese fatale Situation hat sich vor allem deshalb verschärft, weil die Ukrainer in der zweiten Julihälfte auch zunehmend damit begannen, die Brücken über den Fluss systematisch für schweres Gerät unbrauchbar zu machen. Als erstes war die 1,4 km lange Antoniwskyi-Straßenbrücke betroffen, dann die etwa 5 km östlich gelegenen Eisenbahnbrücke und schließlich der Straße über den Nowa-Kachowka-Damm.

Damit stehen die russischen Einheiten nördlich des Dnjepr buchstäblich mit dem Rücken zur Wand und verfügen über die magere Möglichkeit, sich notdürftig und unzureichend über Fähren und Pontonbrücke zu versorgen.

Als Reaktion darauf hat die russische Armee im August Truppen zusammengezogen und das Personal zur Verteidigung des Frontabschnitts auf 20 bis 35 000 Soldaten aufgestockt, ohne die eigentliche Ursache beheben zu können. Die ukrainische Feuerkontrolle verhindert weiterhin die Wiederherstellung der russischen Nachschubwege. Konvois, die versuchen, beschädigte Brücken zu überqueren, werden durch die Luftaufklärung zu leichten Zielen für Mehrfachraketenwerfer, Artillerie oder Luftangriffe.

Darüber hinaus übt die ukrainische Armee seit Ende August von drei Achsen aus Druck auf die russischen Einheiten aus, um die russischen Kräfte zu binden und zu zermürben und auch ihre immer knapper werdende Munition zu verbrauchen.

Dieses Vorgehen zeigt Erfolge: Das Einsatzkommando Pivden (Süd) meldete am 12. September die Einnahme von 500 Quadratkilometern Territorium, die Zerstörung von 122 Panzern und das Vorrücken der Frontlinie um bis zu 12 Kilometer seit Ende August.

Obwohl es in umkämpften Gebieten immer eine „Grauzone“ gibt, in der nicht klar ist, welche Kriegspartei die Oberhand hat, lassen sich die Angriffsachsen der ukrainischen Streitkräfte klar erkennen. Im Nordosten, an der Oblastgrenze zu Dnipropetrowsk, konnten die Ukrainer zwischen dem 4. und 6. September Vysokopillar, Novovonesenske und Liubymivka einnehmen. Das strategisch wichtige Arkhanhelske scheint umkämpft zu sein.

Den größten Vorstoß in die Tiefe dürfte der ukrainischen Armee im Bereich des Brückenkopfs über den Inhulets gelungen sein, wo etwa ein Drittel der Breite des Gebietes zwischen Inhulets und Dnjepr mit Ortschaften wie Sukhyi Stavok, Kostromka und Biziemme wiedergewonnen wurde.

Die dritte wichtige Angriffsachse verläuft im Südwesten des Gebiets. In einer Grauzone befinden sich hier bereits Oleksandrivka und Kyselivka, nur wenige Kilometer der Hauptstadt Kherson entfernt.

Auch wenn die Kämpfe noch heftig toben und widersprüchliche Nachrichten über die Versorgungslage und die Moral der russischen Truppen kursieren, ist eines klar: Die russischen Stellungen auf der rechten Seite des Dnjepr sind für Moskau in der aktuellen Situation auf Dauer nicht zu halten.

Bildquelle: Image by Eirena from Pixabay